„Ohne Sie genösse die Klinik nicht einen so ausgezeichneten Ruf“

Das Marienhaus Klinikum feierte 120 Jahre Psychiatrie im St. Antoniushaus Waldbreitbach – das Haus und die Ordensgemeinschaft verbindet eine ganz besondere Beziehung

Mit einem Festakt im Forum Antoniuskirche feierten Orden, Trägerschaft und Politik 120 Jahre Psychiatrie im Marienhaus Klinikum St. Antonius Waldbreitbach. FOTO: Heribert Frieling

25.07.2011

Waldbreitbach. Mit einem Festakt im Forum Antoniuskirche und einem Familienfest auf dem Gelände des Klinikums feierte das St. Antoniushaus (korrekt müssten wir vom Marienhaus Klinikum St. Antonius Waldbreitbach sprechen) Mitte Juni seinen 120. Geburtstag; und durfte dies „mit Freude, Dankbarkeit und sicher auch ein wenig Stolz“ tun, wie es Generaloberin Schwester M. Basina Kloos in ihrer Begrüßung ausdrückte. Es ist eine lange und wechselvolle Geschichte – von einer Privatpflegeanstalt für weibliche, unheilbar Geisteskranke hin zu einer modernen psychiatrisch-psychotherapeutischen Fachklinik und einem Wohnheim für seelisch behinderte und pflegebedürftige Menschen. Aber gleichzeitig auch eine Geschichte, die lange vor 1891 beginnt und bis in die frühesten Anfänge der Ordensgemeinschaft zurück reicht. Denn Mutter Rosa nahm bereits 1850 ihre an Epilepsie leidende Schwester bei sich in der Kreuzkapelle auf, um sie zu pflegen. Diese Erfahrungen aus der eigenen Familie haben sicher auch den Anstoß dafür gegeben, dass „die Ärmsten unter den Kranken – und das waren psychisch Kranke damals – nach der Ordensgründung 1863 auf dem Waldbreitbacher Klosterberg jederzeit Aufnahme und eine Heimat fanden“, so Schwester M. Basina.

Mutter Rosa habe sich zur Anwältin der Menschen gemacht, die damals als Geisteskranke und Irre gebrandmarkt wurden. Dabei habe natürlich das Schicksal ihrer leiblichen Schwester eine wichtige Rolle gespielt; aber sicherlich auch ihre Überzeugung, die aus ihrem tiefen und unerschütterlichen Glauben herrührte, dass „der Wert und die Würde jedes Menschen unveräußerlich sind“, so Schwester M. Basina. Deshalb sei es nicht von ungefähr gekommen, dass die „Privatpflegeanstalt für weibliche unheilbare Geisteskranke“, wie es in der Konzession der Königlichen Regierung der Rheinprovinz von 1891 hieß, nur einen Steinwurf vom Mutterhaus entfernt errichtet wurde.

Am 1. Dezember 1891 zogen die ersten sechs Schwestern in das neu erbaute Haus ein, das – wie es die Chronik sagt – „dem besonderen Schutz des hl. Antonius anvertraut“ wurde. Die Geschichte des St. Antoniushauses – sie ist ein Spiegelbild der deutschen Geschichte und der Entwicklung, die die Psychiatrie in dieser Zeit genommen hat: Geht es in den Anfangsjahren stetig bergauf, so bringen der 1. Weltkrieg und die Jahre danach dem Haus Not und Entbehrungen. In der Zeit der großen Inflation ist das St. Antoniushaus sogar akut in seiner Existenz bedroht. Die dunkelsten Stunden erlebt das Haus während der NS-Diktatur: Im Jahre 1943 werden 120 Kranke deportiert und damit dem sicheren Tod ausgeliefert. Daran, dass er dies nicht hat verhindern können, zerbricht der damalige Chefarzt und setzt seinem Leben im Sommer 1945 ein Ende.

In den 70er Jahren ändert das Haus grundlegend sein Gesicht. Der bis dahin geschlossene Charakter wird nach und nach aufgehoben, die therapeutischen Angebote werden ausgeweitet – aus einer Anstalt wird das St. Antonius-Krankenhaus. 1983 wird der Neubau in Betrieb genommen, 1986 der Langzeitbereich, das heutige Wohnheim. Weitere wichtige Stationen in den letzten Jahren sind (neben vielen anderen) die Übernahme der Pflichtversorgung 1996 und der Bau der Tagesklinik in Neuwied im Jahre 1999.

Schwester M. Basina dankte allen Mitschwestern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich in den 120 Jahren in den Dienst am psychisch kranken Menschen gestellt haben. „Ohne Sie gäbe es diese Klinik nicht – ohne Sie wäre die Klinik nie 120 Jahre alt geworden und ohne Sie genösse die Klinik nicht einen so ausgezeichneten Ruf.“

Die Waldbreitbacher Franziskanerinnen haben also eine ganz besondere Beziehung zum St. Antoniushaus. Und sie sehen wie Mutter Rosa auch heute eine wichtige und wertvolle Aufgabe und Herausforderung in der Sorge um psychisch kranke Menschen. Deshalb bekräftigte Schwester M. Basina noch einmal das, was sie bereits bei der Einweihung der Akutklinik 1983 gesagt und bei der 100-Jahr-Feier wiederholt hatte, nämlich dass die Psychiatrie auf dem Waldbreitbacher Klosterberg wohl die letzte Einrichtung sein werde, „die unsere Gemeinschaft angesichts des verpflichtenden Erbes Mutter Rosas aufgibt“. – Wenn das kein Versprechen ist…

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