„Langweilig wird es uns in der Zentrale nie“

Marienkrankenhaus St. Wendel: Eine Nachtschicht in der Zentrale des Krankenhauses

Intensivpfleger Rüdiger Fleisch bringt Unterlagen in die Zentrale, die in die Postfächer verteilt werden müssen. FOTO: Andrea Schulze

17.12.2008

St. Wendel. „Jetzt kochen wir erst mal Kaffee, das gehört zum Nachtdienst“, sagt Monika Zielinski, als sie um 22:00 Uhr gut gelaunt zur Nachtschicht in die Zentrale des Marienkrankenhauses St. Wendel kommt. Schließlich muss sie die nächsten acht Stunden wach bleiben, ist sie doch die erste Ansprechpartnerin für alle, die in der Nacht wegen eines Notfalls ins Krankenhaus kommen. Monika Zielinski löst ihre Kollegin Inge Schummer von der Mittagsschicht ab, die gerne noch auf eine Tasse Kaffee bleibt. „Der Schichtwechsel abends ist die einzige Zeit, in der wir uns mal etwas unterhalten können“, freuen sich die beide. „Mittags ist hier so viel los, dass keine Zeit zum Austausch bleibt, und morgens möchte derjenige, der die Nachtschicht hatte, nach Hause ins Bett.“ 
 

Eine der ersten Handlungen beim Schichtwechsel ist das Abrechnen der Kasse. „Das muss jedes Mal sein, damit wir eventuelle Fehler möglichst schnell finden“, so ihre Erfahrung. Anschließend beginnt die eigentliche Arbeit der Nachtschicht. Monika Zielinski muss die Patienten ins Haus lassen, wenn sie an der Krankenhaustür klingeln, ebenso öffnet sie den Krankenwagen das Tor der Liegendanfahrt. Damit sie sieht, wer vor der Tür steht, sind dort Kameras angebracht. Auf einem Monitor kann sie genau sehen, was vor der Eingangstür oder in der Liegendanfahrt passiert. „Früher gab es keine Kameras. Da wusste ich nicht, wem ich die Tür öffne. Dabei habe ich mich nicht so wohl gefühlt und hatte auch schon mal Angst, denn ich bin hier unten ja ganz allein“, gibt sie zu. Monika Zielinski arbeitet schon seit 1986 an der Zentrale des Marienkrankenhauses. Vorher war die gelernte Arzthelferin als Springerin in verschiedenen Sekretariaten des Hauses tätig. „Damals waren wir noch im alten Krankenhaus in der Stadt untergebracht“, erinnert sie sich. Dort machte sie nur Früh- und Mittagsschicht, für den Nachtdienst gab es zwei ältere Herren. Heute sind sechs Frauen und ein Mann an der Zentrale beschäftigt, alle im Schichtdienst. 

Zum Rauchen vor die Tür 

Die erste Patientin kommt um 0:05 Uhr: eine junge Frau, die über Beklemmungen und Schmerzen in der Brust klagt. Monika Zielinski ruft den Arzt an und schickt sie in die Ambulanz. Zwanzig Minuten später kommt sie wieder. „Ich lebe noch“, lacht sie erleichtert und bezahlt die 10 Euro Notfallgebühr, die an die Krankenkasse abgeführt werden. Kurze Zeit später öffnet sich der Fahrstuhl und eine Frau im Rollstuhl fährt in Richtung Ausgangstür. „Sie will eine Zigarette rauchen“, weiß Monika Zielinski und lächelt ihr zu. „Sie wird in dieser Nacht noch mehrere Male kommen“. Die Patientin ist schon eine Woche im Marienkrankenhaus und geht ungefähr alle zwei Stunden zum Rauchen vor die Tür. Im Haus selbst herrscht Rauchverbot. Und so verlässt auch ein sichtlich nervöser werdender Vater mehrmals in der Nacht das Haus, um zu rauchen. „Meine Frau hat eine PDA zur Schmerzbekämpfung bekommen, und jetzt schläft sie“, erzählt er Monika Zielinski. 
 

Einige Zeit später kommt Intensivpfleger Rüdiger Fleisch an die Zentrale, er bringt Unterlagen, die Monika Zielinski in die Postfächer verteilt. Manuela Mailänder, Krankenschwester aus der für Innere Medizin, braucht den Laborschlüssel, sie ist in Eile. „Wir haben heute Nacht sehr viele unruhige Patienten auf der Inneren. Ich muss direkt wieder hoch, es klingelt sicher schon wieder jemand“, sagt sie. Stunden später kommt die diensthabende Hebamme und bittet Monika Zielinski, das Labor zu wecken. „Ich mache das so ungern“, gibt sie zu. Monika Zielinski hat damit kein Problem. Es ist ihre Aufgabe die Ärzte, Labormitarbeiterinnen, die Krankenschwester in der Notaufnahme und den Röntgenassistenten in der Bereitschaft zu wecken, wenn sie gebraucht werden. Und das muss sie im Laufe der Nacht häufiger tun. Zwei Mal kommt der Krankenwagen. Dennoch ist es eine recht ruhige Nacht. Es kommen noch ein Patient und eine Schwangere, die vor dem Geburtstermin Wehen hat. Die Kinderkrankenschwester Nicole Marien, die gerade die Liste mit den Neugeborenen des Vortages zur Zentrale gebracht hat, nimmt die aufgeregte Frau und ihre Mann mit in den Kreißsaal.  

Betrunkene Jugendlichen und ein Randalierer 

Allerdings gibt es auch Nächte, in denen so richtig viel los ist. Monika Zielinski berichtet von den Wochenenden, an denen regelmäßig Jugendliche völlig betrunken oder unter Drogen aus der St. Wendeler Disko ins Krankenhaus eingeliefert werden. Meistens werden sie dann noch von ihren Freunden begleitet. Auch die Polizei muss hin und wieder geholt werden. So zum Beispiel als der Ex-Freund einer Schülerin in der Eingangshalle randalierte. „Schon seit Wochen stellte er dem Mädchen nach. Sie hatte richtig Angst vor ihm“, erinnert sich Monika Zielinski. Später kam es dann sogar zu einem Gerichtsverfahren, bei dem sie aussagen musste. 
 

Neben dem Pfortendienst haben die Mitarbeiter des Nachtdienstes noch eine Vielzahl anderer Aufgaben zu erledigen, die auf einer anderthalb Seiten langen Liste aufgeführt sind. Neben dem Schreiben von Geburts- und Sterbefallanzeigen, sortieren sie beispielsweise Patientenkarten, schreiben Telefonrechnungen für Mitarbeiter, faxen die Apothekenanforderungen an die Zentralapotheke in Saarlouis, machen die in der Nacht anfallenden Patientenaufnahmen und bearbeiten Rechnungen. „Vor allem am Monatsanfang ist das immer sehr viel“, weiß Monika Zielinski. Und sollte einmal keine andere Arbeit anfallen, dann bereiten sie Patientenakten für das Archiv auf. „Langweilig wird es uns in der Zentrale nie“, sagt sie.

Wenn um Viertel vor fünf die Putzfrauen kommen, dann ist die Nacht bald zu Ende. Eine halbe Stunde später kommen die ersten Krankenschwestern und Pfleger, und das Leben kehrt wieder langsam ins Haus zurück. „Dann weiß ich, dass ich bald Feierabend habe“, sagt Monika Zielinski, denn auch wenn die Nacht insgesamt ruhig war, ist sie müde und freut sich auf ihr Bett.

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