„Das Team in der Psychiatrie ist wirklich toll und vor allem immer für einen da“

St. Elisabeth-Krankenhaus Gerolstein: Wir haben dem Team der Psychiatrie einen Tag lang bei ihrer Arbeit über die Schulter geschaut

„Dieses gemeinsame Gestalten macht Spaß“, sagt eine Patientin, die gerade ein Stück der Leinwand mit der Schwammtechnik bearbeitet.

17.12.2008

Gerolstein. „Nächste Woche darf ich nach Hause“, freut sich Helga Müller (alle Patientennamen von der Redaktion geändert). Die 47-Jährige ist Patientin in der Psychiatrie im St. Elisabeth-Krankenhaus Gerolstein und dort bereits seit neun Wochen in Behandlung. Sie hatte dort Hilfe gesucht, nachdem sie - von innerer Unruhe und Angstzuständen geplagt - einen Suizidversuch unternommen hatte. „Aber jetzt fühle ich mich wieder richtig gut“, erzählt sie, „und freue mich auf Zuhause und meine vier Kinder“. Helga Müller hatte es nicht immer leicht in ihrem Leben. 2002 erlitt sie einen Herzinfarkt und musste sich mehreren Bypassoperationen unterziehen. „Und als ich 2003 meinen Ehemann verlor, geriet ich aus dem Gleichgewicht“. Aus Rücksicht auf ihre Kinder hat sie ihre Trauer verdrängt, und dann brach mit einem Mal alles über sie herein. In ihren Therapien im St. Elisabeth-Krankenhaus hat sie gelernt, sich selbst ernst und wichtig zu nehmen, ohne dabei ihre Kinder zu vernachlässigen. „Das Team hier in der Psychiatrie ist wirklich toll und vor allem immer für einen da“, lobt Helga Müller. Wir haben dem Team einen Tag lang bei ihrer Arbeit über die Schulter geschaut. 

Tägliche Dienstbesprechung 

Mit der Morgenrunde beginnt der Tag in der Psychiatrie. Hier bespricht das Team um Chefarzt Dr. Stefan Thielscher unter anderem die Aufnahmen des letzten Tages und der Nacht. Diese Nacht gab es drei Neuzugänge. „Das ist bei uns Durchschnitt. Manchmal haben wir aber auch bis zu sieben Neuaufnahmen an einem Tag“, erzählt Dr. Thielscher. Die Dienstbesprechungen nutzt das Team auch, um sich fortzubilden. Regelmäßig stellt ein anderer aus dem Team einen Artikel aus einer Fachzeitschrift vor. „Wir wollen vor allem bei den Jüngeren ein Interesse am Forschungsgeschehen wecken“, erläutert Dr. Thielscher. 

Boxen als Therapie

„Frau Schneider, kommen Sie auch an den Boxsack“, fordert Sandra Otten, die Physiotherapeutin, die Patientin in der Bewegungstherapie auf. Luise Schneider ist seit vier Wochen in der Psychiatrie im St. Elisabeth-Krankenhaus in Behandlung und besucht dort die Tagesklinik. Zu zweit bearbeiten die Patienten den Boxsack mit den Fäusten. „Ziel ist dabei nicht der Aggressionsabbau, sondern vielmehr das Erleben von Aggressionen, denn viele Patienten können Gefühle nur sehr schwer zulassen“, erklärt Otten. Die Patienten sollen lernen, ihre physische und psychische Kraft zu dosieren und einzuteilen. Sie müssen ihrem Partner aber auch vermitteln, wo ihre Grenzen liegen. „Sie sollen lernen, ihre eigenen Bedürfnisse zu spüren und durchzusetzen“, erläutert Otten weiter. 

Entspannungsübungen und Genusstherapie 

„Ich muss noch viel mehr lernen, mich selbst wichtig zu nehmen“, sagt Luise Schneider. Seit 16 Jahren leidet sich immer wieder an Depressionen, die sie mit Zwangshandlungen zu kompensieren versucht. „Wenn es mir nicht gut geht, dann putze ich sieben Stunden unser Haus, um dann wieder von vorn anzufangen“, erzählt die 47-Jährige. Die psychiatrische Tagesklinik im St. Elisabeth-Krankenhaus ist für sie genau das Richtige. Von 08:00 Uhr bis 16:30 Uhr hat sie hier täglich einen Ansprechpartner und verschiedene Therapien. Zur Zeit helfen ihr besonders die Entspannungsübungen und die Genusstherapie. „Sich ganz bewusst Zeit zu nehmen oder genau darauf zu achten, wie eine Banane schmeckt – das hatte ich irgendwie verlernt“, freut sich Schneider über ihre kleinen Erfolge. 

„Zu ihr kann ich immer gehen, wenn mich der Schuh drückt“

Aber auch die Einzelgespräche mit Monika Braun schätzt Luise Schneider sehr: „Zu ihr kann ich immer gehen, wenn mich der Schuh drückt“. Monika Braun ist eigentlich gelernte Altenpflegerin, aber seit ihrer Eröffnung 2003 in der psychiatrischen Tagesklinik tätig. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Hans-Jürgen Braun betreut sie zwischen zehn und zwölf Patienten. „Wir sind sozusagen die Mädchen für alles“, beschreibt sie ihre Aufgaben. So leiten sie verschiedene Gruppen, wie eine Koch- und Gartengruppe oder eine für Autogenes Training. In einer so genannten Skillsgruppe vermitteln sie den Patienten Methoden, wie sie beispielsweise Angstattacken entgegenwirken können. „Aber am wichtigsten sind unseren Patienten die Einzelgespräche“, ist die Erfahrung von Hans-Jürgen Mauso. Der Krankenpfleger hat sich wie seine Kollegin in verschiedenen Weiterbildungen auf seine Tätigkeit in der Tagesklinik vorbereitet. „Das ist doch schon was anderes als Krankenpflege – man kommt viel intensiver mit den Patienten in Kontakt“ – und das ist es, was Mauso an seiner Arbeit so schätzt. 

Er fühlt sich im Stich gelassen

„Das ist heute mein erster Tag und ich bin etwas nervös“, erzählt Benno Schmidt. Der 20-Jährige wird von Alpträumen geplagt und hat Depressionen. Vor einem Jahr wurde er zusammengeschlagen und seitdem lässt ihn das Gesicht des Täters nicht mehr los. Zu seiner Familie hat er keinerlei Kontakt mehr. Er fühlt sich im Stich gelassen und sehr allein. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich es allein nicht schaffe, und da hat mir ein Kumpel die Tagesklinik in Gerolstein empfohlen“. Nach einem Gespräch mit Dr. Thielscher hat er hier sehr schnell einen Platz bekommen. Der Vorteil liegt für den jungen Mann auf der Hand: „Das was ich mir hier erarbeite, hoffe ich nachmittags im Alltag gleich umsetzen zu können“. Heute ist noch alles neu für ihn und man merkt ihm seine Nervosität und Unsicherheit an. „Ich hatte schon ein Gespräch mit einem Arzt“, erzählt er, „und dieser arbeitet dann einen Therapieplan aus. Ich glaube die Ergotherapie könnte mir gefallen“. 

„Diese Gruppenarbeit müssen die vier allein meistern“ 

Zu viert sitzen sie an einem großen Tisch und arbeiten gemeinsam an einer Leinwand. Um sie herum verteilt liegen Farbtuben Mischpaletten, Schwämme. „Dieses gemeinsame Gestalten macht Spaß“, sagt eine Patientin, die gerade ein Stück der Leinwand mit der Schwammtechnik bearbeitet. „Diese Gruppenarbeit müssen die vier allein meistern“, erläutert Nadine Tovar, die Ergotherapeutin. Dieses Mal hat sie nur eine Zeitvorgabe gemacht. Innerhalb von vier Therapieeinheiten sollen die vier Patienten das Bild fertig haben. Gemeinsam müssen sie entscheiden, mit welchen Materialien sie arbeiten, welche Farben und Formen sie verwenden und sie müssen sich über das Thema des Bildes einig werden. „Gruppendynamik steht dabei im Vordergrund. Vor allem für Patienten, die sich gern separieren, ist die Ergotherapie ein wichtiger Schritt“, erklärt Tovar das Ziel dieser Gruppenarbeit. Aber in der Ergotherapie wird nicht nur gemalt. „Ich habe am liebsten Körbe geflochten“, erzählt Helga Müller. Und wenn sie jetzt in einer Woche nach Hause geht, hat sie ein paar Mitbringsel. 

Pressekontakt

Ihr Ansprechpartner:
Dietmar Bochert
Postfach 12 20
56588 Waldbreitbach

Telefon: 02638 925-140
Mobil: 0160 2957701
E-Mail: info(at)marienhaus.de