„Der Blick unserer Bewohner zurück auf das Leben soll versöhnlicher werden“

St. Franziskus Alten- und Pflegeheim Dillingen und die Volkshochschule bieten einen offenen Gesprächskreis für Bewohner und Interessierte an

Heinz Mathey spricht in seinem Gesprächskreis Eine Reise durchs Leben über die großen und kleinen Themen des Lebens.

17.12.2008

Dillingen. „Frau Sonntag, wie war Ihre Woche?“, fragt Heinz Mathey die 96-jährige Dame. Elfriede Sonntag besucht gemeinsam mit zwölf anderen Interessierten den offenen Gesprächskreis Eine Reise durchs Leben, der seit September 2008 von dem St. Franziskus Alten- und Pflegeheim Dillingenund der Volkshochschule (VHS) Dillingen einmal wöchentlich angeboten ist. „Es geht bei uns um die großen und kleinen Themen des Lebens: um Liebe, um Verlust, um das Arbeitsleben, aber auch darum, wie die Woche gelaufen ist oder um Suchmaschinen im Internet“, erklärt Mathey, der diesen Kreis leitet. Heinz Mathey war 30 Jahre Direktor der Dillinger VHS und wollte in seinem Ruhestand weiter etwas tun, wie er selbst sagt. 

Entstanden ist die Idee Mitte 2007 auf einer Vernissage mit Werken von Bewohner Kurt Lonsdorf. Dazu lud man auch die Leitung der VHS ein, da Lonsdorf dort früher einmal Mal- und Zeichenkurse belegt hatte. Hedi Krämer, eine Mitarbeiterin im Sozialen Dienst, konnte sich eine Zusammenarbeit zwischen dem Alten- und Pflegeheim und der VHS gut vorstellen. Sie fragte deshalb Heinz Mathey, ob er nicht Lust habe, sich nach seiner Pensionierung im St. Franziskus Alten- und Pflegeheim zu engagieren. „Ich habe ein halbes Jahr nachgedacht, wie eine solche Zusammenarbeit aussehen könnte“, erinnert sich Mathey. Und kam schließlich auf die Idee mit dem offenen Gesprächskreis. „Da ich mich aber auch immer mit Kunst, Kultur und Literatur beschäftigt habe“ – Mathey ist Romanist und Literaturwissenschaftler –, „wollte ich auch dieses Element in den Kreis integrieren“, berichtet Mathey. Und so sucht er für jede Runde ein passendes Gedicht oder einen Text aus. Im Sommer 2008 startete Mathey mit Bewohnern des St. Franziskus Alten- und Pflegeheim einen Probelauf des Gesprächskreises und war überrascht, wie positiv er aufgenommen wurde. Seit September 2008 nun gehört er zum offiziellen Programm der VHS und ist damit selbstverständlich auch für externe Interessierte offen.

„Wir beginnen immer mit einer Mitteilungsrunde“, erläutert Mathey. Reihum erzählt jeder Teilnehmer, was ihn die letzte Woche bewegt oder er erlebt hat. Die eine Dame erzählt von ihrem Krankenhausaufenthalt und so kommt die Runde auf das Thema Grippe zu sprechen. Eine andere Bewohnerin spricht ihre Adventsgrüße an, die sie erhalten hat und so kommen sie aufs Plätzchenbacken und den Winter. Schnell plaudern sie über Kindheitserinnerungen von Weihnachten und Schlittenfahren. Aber auch von ihren Kindern und Familien erzählen sie. „Ich habe Sehnsucht nach meiner Tochter“, berichtet Elfriede Sonntag. Aber diese wohnt in Amerika und kann deswegen nicht so oft kommen. Die anderen Teilnehmer trösten sie. „Es tut den Senioren gut, sich in einer Runde auszutauschen“, beobachtet Hedi Krämer. „Wir erfahren hier manchmal Dinge, die wir noch gar nicht über unsere Bewohner gewusst haben und für die im Alltag leider oft zu wenig Zeit bleibt“.

Für diese Woche hat Mathey das Gedicht „Nachtgedanken“ von Goethe ausgesucht. „Letztes Mal haben wir über unruhige Gedanken, die einen nicht einschlafen lassen, gesprochen. Und so fand ich dieses Gedicht sehr passend“, erklärt Mathey. Er liest das Gedicht vor und spricht gemeinsam mit den Bewohnern – mittlerweile besuchen auch drei Externe den Gesprächskreis – darüber. Über das Gedicht kommen sie auf das Thema Vergangenheit. Sie diskutieren darüber, wie es gelingen kann die positiven wie auch die negativen Ereignisse und Erlebnisse, anzunehmen. Und genau das ist es, was sich Heimleiter Michael Groß wünscht: „Der Blick unserer Bewohner zurück auf das Leben soll versöhnlicher werden. Und die spezielle Zusammenarbeit mit der VHS bietet ihnen vielleicht die Chance dazu“. Natürlich soll mit dieser Zusammenarbeit auch das Leben im St. Franziskus Alten- und Pflegeheim nach außen getragen werden. „Unser Ziel ist es auch alte Menschen, die noch zu Hause leben, zu erreichen, sie auf ihren vierten Lebensabschnitt vorzubereiten und ihnen zu zeigen, dass Seniorenheime viel besser sind als der Ruf, den sie leider manchmal noch haben“, erklärt Hedi Krämer.

„Mir macht die Arbeit in dem Gesprächskreis sehr viel Freude“, resümiert Mathey. „Sie lässt mich hinter die Dinge des Lebens schauen und das ist eine wundervolle Bereicherung“. Auch die Teilnehmer sind mit Begeisterung dabei: „Ich freue mich jede Woche auf unser Treffen“, so eine Bewohnerin. Sie wünscht sich, dass dieser Kreis noch lange fortgeführt wird.

Pressekontakt

Ihr Ansprechpartner:
Dietmar Bochert
Postfach 12 20
56588 Waldbreitbach

Telefon: 02638 925-140
Mobil: 0160 2957701
E-Mail: info(at)marienhaus.de