„Glaubst du, dass es im Himmel Nutella gibt?“

Kinder-Hospizdienst Saar: 3. Fachkonferenz zum Thema Wie Kinder sterben

Die 130 Teilnehmer der 3. Fachkonferenz Kinderhospizarbeit folgen auf-merksam den Referaten zum Thema Wie Kinder Sterben. FOTO: Anja Loudovici

10.10.2008

Neunkirchen. „Glaubst du, dass es im Himmel Nutella gibt?“, wurde Rüdiger Barth, Leiter des Kinderhospizes Balthasar in Olpe, einmal von einem kleinen Jungen gefragt. Für unheilbar kranke Kinder sind die kleinen Dinge wichtig. Das eigene Sterben erleben sie oftmals leichter als ihre Eltern. Kinder akzeptieren und vor allem reflektieren ihre Krankheit und ihr Sterben auf einer ganz anderen Ebene. „Ich habe kaum Kinder erlebt, die beim Sterben kämpfen“, berichtet Barth von seiner täglichen Arbeit. Diese Erfahrungen haben auch die anderen Referenten der dritten Fachkonferenz zur Kinder-Hospizarbeit zum Thema Wie Kinder sterben gemacht, die Anfang September vom Kinder-Hospizdienst Saar, einem Kooperationsprojekt des Ambulanten Hospizes St. Michael Völklingen, des Ambulanten Hospizes St. Josef Neunkirchen und des St. Jakobus Hospizes gGmbH, im Landratsamt Neunkirchen veranstaltet wurde. 

Bernhard Ulrich, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit eigener Praxis in Saarbrücken, betonte in seinem Vortrag, dass die Einstellung der Eltern zu Sterben und Tod für die Kinder prägend ist. Nicht nur für das sterbende Kind, sondern auch für die Geschwisterkinder. So spielte beispielsweise für die Sterbebegleitung des kleinen Ahmed der fest verankerte Glaube in der Familie eine große Rolle. Ahmed litt an einer unheilbaren Erbkrankheit, die dadurch hervorgerufen wurde, dass seine Eltern, muslimische Aleviten, eng verwandt sind (Cousin und Cousine). Bei dieser Glaubensrichtung ist die Verwandtenehe üblich. Sie nehmen diese Erbkrankheiten bewusst in Kauf. „Hier darf man als Arzt nicht ethisch urteilen“, erläutert Ulrich. Alle medizinischen Maßnahmen musste Ulrich immer zuerst mit dem Familienoberhaupt besprechen, bevor er zu dem kleinen Patienten gelassen wurde. Der Glaube hat sowohl dem kleinen Ahmed als auch der Familie geholfen, die Krankheit und das Sterben zu akzeptieren. 

In den meisten Fällen sind es die Eltern, die die Entscheidung für das Sterben ihres Kindes treffen müssen. So auch bei der 12-jährigen Sara, die an einer angeborenen Fehlbildung litt, die unter anderem immer wieder zu Darmverschlüssen führte. Gemeinsam mit den Ärzten haben die Eltern bei einem erneuten Darmverschluss entschieden, nicht mehr zu operieren. Saras Krankheit war zu diesem Zeitpunkt so weit fortgeschritten, dass sie diese Entscheidung nicht mehr selbst mit treffen konnte. Ulrich behandelte und begleitete das Mädchen in den letzten Tagen ihres Lebens. „Ich hatte das Gefühl, dass Sara freudig gestorben ist“, erzählt er. 

Neben der medizinischen und pflegerischen Hilfe bietet die Kinderhospizarbeit auch eine seelsorgerische Begleitung an. „Auf die Augenhöhe des Kindes zu gehen und seine tiefere Welt kennenzulernen, ist eine bereichernde Erfahrung“, berichtet Pfarrer Michael Kimling-Wegener, Seelsorger des St. Josef Krankenhauses und der Kinderklinik Kohlhof in Neunkirchen, von seiner Arbeit. Kranke Kinder sollten Kinder sein dürfen und nicht auf ihre Krankheit reduziert werden. 

Dieses Miteinander von Ärzten, Familien, Geschwisterkindern, Hospizfachkräften und Seelsorgern ermöglicht es den Kindern gut zu sterben. Um dieses Miteinander weiter auszubauen, plant der Kinder-Hospizdienst Saar, sich „zu einem Kinderpalliativzentrum mit sektorenübergreifendem Brückenteam weiter zu entwickeln und zusammen mit der Marienhaus GmbH eine Einheit für palliativmedizinische Krisenintervention an der Kinderklinik Kohlhof einzurichten“, kündigte Paul Herrlein, der Geschäftsführer des Kinder-Hospizdienstes Saar, an. Denn die Lebensqualität der betroffenen Familien soll so lange wie möglich gefördert und erhalten bleiben. 

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