Religiöse Gespräche wirken heilend

St. Josef Alten- und Pflegeheim Kaisersesch: Gemeinschaftsprojekt der Seelsorge und des begleitenden Dienstes – Bewohner gestalten Bilder nach biblischen Texten

Schwester M. Antonia Poncelet (rechts), die Seelsorgerin des St. Josef Alten- und Pflegeheims Kaisersesch, erzählt das Gleichnis vom Guten Hirten.

10.10.2008

Kaisersesch. „Der Herr ist mein Hirte, er lässt mich lagern auf grünen Auen“, Schwester M. Antonia Poncelet liest den Psalm aus dem Alten Testament langsam und deutlich. Acht ältere Damen, die um einen Tisch mit Pinseln, Farben, Kleber, Krepp-Papier, Scheren und vielen anderen Bastelmaterialien im Foyer des St. Josef Alten- und Pflegeheims Kaisersesch sitzen, hören der Waldbreitbacher Franziskanerin, die im begleitenden pastoralen Dienst tätig ist, aufmerksam zu. Einigen von ihnen ist der Text vertraut, sie sprechen ihn leise mit. So, dass es alle gut sehen können, steht auf einem Sessel ein großes Bild: eine Landschaft, Hügel mit grünen Wiesen, kleinem See, im Vordergrund ein kahler Baum und einige Zypressen. „Dieses Bild ist eine Gemeinschaftsarbeit. Vergangene Woche haben wir damit begonnen, heute werden wir weiter daran arbeiten“, so Tanja Bönning. Zusammen mit Schwester M. Antonia leitet die Mitarbeiterin des begleitenden Dienstes die Projektgruppe, „in der wir Seelsorge und kreatives Gestalten miteinander verknüpfen“. 

Viele Bewohner kennen die Bibel 

Schon zwei Bilder sind auf diese Weise entstanden. Ausgangspunkt ist immer ein Text aus der Bibel. Beim ersten Bild war es der Schöpfungsbericht, beim zweiten das Gleichnis vom Sämann. Schwester M. Antonia liest mit den Bewohnerinnen den Text vom Guten Hirten und spricht mit ihnen darüber. „Viele ältere Damen sind richtig bibelfest und kennen sich gut aus“, meint sie anerkennend. Anschließend überlegen sie gemeinsam, wie ein Bild aussehen kann, in dem sich der Bibeltext widerspiegelt. „Sie glauben gar nicht, was für eine Fantasie die Damen entwickeln“, freut sich Schwester M. Antonia, die selber sehr gerne malt. Tanja Bönning ist für den kreativen Teil des Projektes zuständig. „Das Besondere daran ist die Verknüpfung von kreativem Gestalten mit einem religiösen Thema“, so Heimleiterin Ute Dany. „Man spürt, dass es etwas ganz andere ist als eine einfache Bastelstunde.“ 
 

Die Bewohnerinnen sind konzentriert bei der Arbeit, während im Hintergrund leise Musik läuft. Sie schneiden Schäfchen aus Papier aus, bekleben sie mit Fellresten oder Sägespänen, reißen farbiges Krepp-Papier in Stückchen und rollen daraus kleine Kügelchen. Andere kleben die Kügelchen auf das Bild an die kahlen Äste des Baumes und als Blumen in die Wiese. Den Hirten, eine farbig bemalte Papierfigur, sowie die Schäfchen klebt Schwester M. Antonia in das Bild hinein.  

Basteln fördert die Feinmotorik 

„Die Aufgaben erfordern teilweise eine hohe Fingerfertigkeit“, sagt Tanja Bönning. So fördert beispielsweise das Ausschneiden und das Rollen der Kügelchen aus Krepp-Papier die Feinmotorik. Auch das Bekleben der Schäfchen ist eine diffizile Arbeit: Wenn der Kleber an die Finger kommt, bleiben das haarige Fell oder auch die Sägespäne daran kleben. „Ich ermuntere die Damen, das zu tun, was sie noch können. Jede hat ihre Fähigkeiten, und die will ich stärken“, so Tanja Bönning. Sie sucht die Bewohnerinnen für die Projektgruppe aus und lädt sie dazu ein. Da sie jede einzelne kennt, weiß sie, wer sich für religiöse Themen interessiert wie auch am Basteln Freude hat. „Letztlich entscheiden aber die Bewohnerinnen selbst, ob sie teilnehmen möchten“, so Bönning. 
 

Da die Arbeit im Foyer stattfindet – „hier haben wir genug Platz, und es ist hell“, so Schwester M. Antonia – schauen auch andere Bewohner vorbei. Sie interessieren sich für das Bild und bestaunen die Arbeit. Eine ältere an Demenz erkrankte Dame kommt an den Tisch. Sie wird eingeladen, sich dazu zu setzen und schläft dann auf dem Stuhl ein. „Sie sucht die Gemeinschaft, da fühlt sie sich wohl, sie wird ruhig und kann sich entspannen“, sagt Schwester M. Antonia, die während der Arbeit an dem Bild immer wieder auf das Thema Der gute Hirte zu sprechen kommt.  

Bewohner haben religiöse Bedürfnisse 

Seit fast einem Jahr ist die Ordensschwester im St. Josef Alten- und Pflegeheim als Seelsorgerin für die Bewohner da, eine Aufgabe, die sie mit Freude übernommen hat. „Viele Bewohner haben religiöse Bedürfnisse“, nimmt sie wahr. „Und darauf gehe ich gerne ein.“ Sie ist froh, dass der Träger ein eigenes Konzept zur Seelsorge und spirituellen Begleitung in den Alten- und Pflegeheimen erarbeitet hat. Denn Seelsorge ist ein wesentlicher Teil der ganzheitlichen Betreuung der alten Menschen.
 

Im St. Josef Alten- und Pflegeheim finden neben den Gottesdiensten regelmäßig Bibelgespräche statt. Darüber hinaus ist Schwester M. Antonia Ansprechpartnerin für alle Bewohner. Oft führt sie persönliche Gespräche und wird immer wieder gefragt, ob es Gott wirklich gibt. Immer wieder trifft sie Bewohner, die unter dem Wissen leiden, dass sie bald sterben werden oder die mit dem, was sie in ihrem Leben erlebt haben, nicht zurecht kommen. Religiöse Gespräche wirken heilend, davon ist Schwester M. Antonias überzeugt. „Ich will den Menschen Hoffnung schenken, dass nach diesem Leben ein anderes Leben kommt. Ich will ihnen Mut machen, das Alter anzunehmen mit allen Beschwernissen“, sagt sie. Und sie sieht eine ganz wichtige Aufgabe darin, die Bewohner aus der Sprachlosigkeit herauszuholen. „Bei mir dürfen sie über ihr Leid sprechen, an dem sie manchmal fast ersticken“, sagt sie.  

Auch beim gemeinsamen Malen und Basteln kommen sie und Tanja Bönning mit den Damen immer wieder ins Gespräch. Die Bewohnerinnen freuen sich an dem Bild, das entsteht und sind sichtlich stolz über das, was sie geschafft haben. „Das ist schön, sehr schön“, sagt denn auch eine Teilnehmerin zufrieden, die einige Schäfchen mit Fell beklebt hat. „Die Arbeit stärkt ihr Selbstbewusstsein“, so Schwester M. Antonia. Und das tut allen gut.

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