Verwöhn-Vormittage, gemeinsames Zeitungslesen, Gedächtnistraining

Alten- und Pflegeheim St. Anna: Integrierte Tagespflege betreut Bewohner, externe Besucher sowie dementiell veränderte Menschen

Brigitte Nijhuis, Leiterin der Tagespflege (links), liest den Besuchern einen Bericht über die Tour die France aus der Zeitung vor.

09.10.2008

Bad Neuenahr-Ahrweiler. „… Amen“, mit einem gemeinsamen Gebet beginnen die zwölf Besucher der Tagespflege im Alten- und Pflegeheim St. Anna in Bad Neuenahr-Ahrweiler ihren Tag. Jeden Morgen um 8:30 Uhr kommen sie zu einem gemeinsamen Frühstück zusammen. Seit Anfang Februar bietet das Alten- und Pflegeheim eine integrierte Tagespflege. „Die Gruppe hat sich sehr gut zusammengefunden“, freut sich Brigitte Nijhuis und meint damit das unkomplizierte Miteinander der Heimbewohner und der externen Besucher. Das Angebot der Tagespflege steht aber auch dementiell veränderten Menschen offen. „Die gegenseitige Akzeptanz aller Besucher ist eines unserer Ziele der integrierten Tagespflege“, erklärt Nijhuis. Sie hat die Tagespflege aufgebaut und die Leitung übernommen. Wir haben sie einen Tag lang begleitet.

Gemeinsames Zeitungslesen

„Weiß einer von Ihnen, was Doping ist“, fragt Brigitte Nijhuis beim gemeinsamen Zeitungslesen in die Runde. „Das ist, wenn einer schneller als der andere ist“, antwortet Bewohnerin Agnes Binder sofort. Nijhuis liest ihnen den Bericht über die Tour de France vor. Während des Zeitungslesens stellt sie viele Fragen. „Ich nutzte das auch gleich zum Gedächtnistraining“, erklärt sie. Und wenn sich daraus ein Gespräch über Sport entwickelt, „erfahre ich auch gleich mehr über die Biografie und die Interessen der Besucher“, so Nijhuis weiter.

Biografiearbeit

Biografiearbeit ist für Nijhuis das A und O in der Arbeit mit alten Menschen und vor allem mit an Demenz Erkrankten. Sie informiert sich deshalb über jeden Besucher der Tagespflege genau. Sie spricht mit ihm, befragt seine Angehörigen und macht sich bei externen Gästen ein Bild über seine häusliche Umgebung. So erfährt sie viel über Vorlieben und Abneigungen und kann damit besser auf ihn eingehen und ihn fördern. „Wenn ich weiß, dass jemand beispielsweise nicht in Deutschland geboren ist oder auf einem Bauernhof groß geworden ist, kann ich meine Fragen beim Gedächtnistraining so stellen, dass sich Erfolgserlebnisse einstellen“, erklärt die gelernte Krankenschwester, die eine Weiterbildung zur Arbeitspädagogin absolviert hat. „In meine jetzige Aufgabe kann ich viel von meinen Erfahrungen einbringen“, berichtet sie.

Gedächtnisübungen

„Nennen Sie mir ein Tier“, fordert Nijhuis Elisabeth Baderscheider beim gemeinsamen Gedächtnistraining auf. Die alte Dame, die regelmäßig von ihrem Sohn in die Tagespflege gebracht wird, ist an Demenz erkrankt und zögert mit der Antwort. „Was ist ihr Lieblingstier?“, fragt Nijhuis weiter. „Eine Ziege“, ruft Elisabeth Baderschneider und freut sich über die richtige Antwort. Wichtig ist dabei immer die direkte Ansprache. Oft verstärkt Nijhuis diese durch Berührungen, um die Aufmerksamkeit zu halten. „Wir müssen die Leute da abholen, wo sie stehen“, erklärt Nijhuis ihre Arbeit.

Wohl-Fühl-Vormittag

Während die einen ihr Gedächtnis trainieren oder die Messe besuchen, lassen sich die anderen verwöhnen. „Einmal in der Woche machen wir unseren Wohl-Fühl-Vormittag“, erzählt Kerstin Grimminger. „Mal machen wir ein Make-up oder Maniküre“, so die Altentherapeutin weiter. Heute gibt es ein Verwöhnprogramm nach dem Prinzip der basalen Stimulation. Primäres Ziel dabei ist die Aktivierung der verschiedenen Sinne. Aber auch zur Beruhigung und Entspannung kann die basale Stimulation eingesetzt werden. Mit Düften, Musik, bunten Lichtern und sanften Massagen werden die verschiedenen Sinne angesprochen. „Aber auch die Vorlieben der Bewohner spielen bei der Wirkung der basalen Stimulation eine Rolle“, erklärt Grimminger. Denn nicht jeder lässt zum Beispiel Berührungen zu. Diese Bewohner werden eher durch die Düfte, die bunten Lichtreflexe oder die Musik angeregt.

Sitztanz, Rätsel und Witze

Kurz vor dem Mittagessen kommt die ganze Gruppe wieder zusammen. Darüber hinaus steht die Tagespflege nun auch allen Bewohnern des Heimes offen. Es wird ein großer Stuhlkreis gebildet. Nun steht der sportliche Teil des Vormittags an. Gemeinsam wird gesungen und dazu passend Sitztanz und Seniorengymnastik gemacht. Aber auch Spiele, die die Merkfähigkeit und Beobachtung schulen. So liest Kerstin Grimminger zum Beispiel lustige Rätsel und Witze vor. Bei den alten Redewendungen und Sprichwörtern, die die Bewohner vervollständigen müssen, wird es lebhaft. Die Antworten kommen schnell hintereinander.

Gemütliche Sofaecken zum Ausruhen

Die Tagespflege im Alten- und Pflegeheim St. Anna verfügt über einen großzügigen Gruppenraum. Die Tische werden zu einer langen Tafel zusammengestellt, damit alle gemeinsam essen können. „Die Dekorationen haben wir zusammen mit den Besuchern und Bewohnern gebastelt“, erklärt Nijhuis und zeigt auf die Bilder und Mobiles. Zudem haben die Besucher und Bewohner die Möglichkeit sich im Ruheraum zurückzuziehen. Dort gibt es gemütliche Sofaecken und Sessel sowie Betten. „Nach dem Mittagessen nutzen die meisten unserer Tagesgäste die Möglichkeit, sich auszuruhen“, erzählt Marion Hofschlag, die seit zwölf Jahren in der Pflege tätig ist.

Vorlesestunde

Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken setzen sich die meisten Besucher und Bewohner auf die Terrasse, die direkt an den Gruppenraum grenzt. Marion Hofschlag singt mit ihnen alte Volkslieder und Schwester Bernadette von den Luxemburger Franziskanerinnen bringt den großen Hasen Luci. Begeistert wird das Tier von Schoß zu Schoß gereicht. Jeder möchte sie mal streicheln. Und einmal wöchentlich kommt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin zu einer Vorlesestunde. Zur Zeit liest sie die Abenteuer von Nils Holgersson aus dem Buch Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen. „Ich könnte noch länger zuhören“, sagt Agnes Binder, und ihre Freundin Christa Wassermann stimmt ihr zu.

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