„Meine Tochter sagt, sie hätte eine neue Mutti zurück bekommen“

Das Krankenhaus Hetzelstift hat in der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie das Adipositaszentrum etabliert

Die Krankenschwester Bianca Franzreb-Wenz (links) und die Chefarztsekretärin Cynthia Kelly (rechts) haben eine Selbsthilfegruppe für adipöse Menschen ins Leben gerufen. Foto: Anne Orthen

19.12.2012

Neustadt/Weinstraße. 18 Kilogramm hat Anja Huber seit ihrer Operation vor zweieinhalb Wochen schon abgenommen. „Es geht mir wunderbar“, strahlt die 35jährige allein erziehende Mutter von drei Kindern. Sie ist die erste Patientin, bei der Dr. Yann Asbeck im Krankenhaus Hetzelstift in Neustadt an der Weinstraße eine Sleeve-Gastrektomie durchgeführt hat. „Das ist eine minimal-invasive Operation, bei der wir etwa zwei Drittel des Magens entfernen und aus dem verbleibenden Teil einen sogenannten Schlauchmagen bilden“, erläutert der Oberarzt der Allgemein- und Viszeralmedizin. Mit dieser chirurgischen Veränderung wird Anja Huber in den nächsten Monaten weiter an Gewicht verlieren. Sie ist darüber glücklich. „Noch vor einigen Monaten brachte ich 190 Kilogramm auf die Waage“, berichtet sie. Sie konnte sich kaum noch bewegen und war depressiv. Als sie dann im Frühjahr kollabierte und nur knapp mit dem Leben davon kam, wurde ihr klar, dass sie dringend Gewicht verlieren müsse, wenn sie noch einige Jahre leben wolle. „Ich wurde damals im Krankenhaus Hetzelstift behandelt und als ich Dr. Asbeck auf dem Flur traf, fragte ich ihn, ob er mir helfen könne“, erinnert sie sich.

 

Personelle und räumliche Voraussetzungen geschaffen

Etwa zwei Jahre hat sich das Krankenhaus Hetzelstift darauf vorbereitet und die Voraussetzungen dafür geschaffen, um Menschen mit krankhaftem Übergewicht zu therapieren. Es wurde eigens ein Zimmer für sie umgebaut, in dem der Boden verstärkt und die Nasszellen vergrößert wurde. Zusätzlich wurden die Haltegriffe, das Waschbecken und die Toilette so befestigt, dass sie auch einen schweren Menschen halten können. „Adipositas ist eine behandlungsbedürftige Erkrankung“, ist Dr. Wilhelm Bauer überzeugt. Deshalb etablierte der Ärztliche Direktor und Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie zusammen mit Dr. Asbeck das Adipositaszentrum im Krankenhaus Hetzelstift. Sie schafften entsprechendes Mobiliar an: so zum Beispiel besonders stabile, breite Stühle und Betten, ein besonderes Transportsystem und einen neuen OP-Tisch, der nicht nur bis zu 350 Kilogramm belastet, sondern dessen Liegefläche bei Bedarf zusätzlich verbreitert werden kann – alles in allem investierte das Haus rund 200.000 Euro in das neue Adipositaszentrum.

 

Zusätzlich wurden alle Pflegekräfte und Therapeuten, die mit diesen Patienten arbeiten, eigens geschult, damit sie sensibilisiert sind für die besondere Situation dieser Menschen. Denn viele adipöse Patienten haben einen langen Leidensweg hinter sich. Wie auch Anja Huber haben die meisten schon viel getan, um Gewicht zu verlieren. Oftmals haben sie mit Diäten auch gut abgenommen, jedoch anschließend wieder stark zugenommen – meistens wogen sie dann sogar mehr als vor der Hungerkur. „Das Problem ist, nach dem Abnehmen das Gewicht zu halten“, so Asbeck, „dabei kann eine Operation helfen.“

 

Allerdings will dieser Eingriff sehr gut überlegt sein. Denn wie jede andere Operation ist er mit erheblichen Risiken verbunden. „Deshalb ist es immer der allerletzte Schritt, den wir dann gehen, wenn alle anderen Maßnahmen keinen Erfolg hatten“, betont Dr. Asbeck. Auch die Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist deshalb daran geknüpft, dass der Patient zuvor alle anderen konservativen Methoden der Gewichtsabnahme wie Ernährungstherapie, Bewegungsprogramm oder auch eine Verhaltenstherapie unter ärztlicher Aufsicht über einen längeren Zeitraum absolviert hat.

 

Verschiedene Operationstechniken

Die Allgemein- und Viszeralchirurgen im Krankenhaus Hetzelstift bieten adipösen Patienten verschiedene Operationstechniken an. „Nach ausführlichen Untersuchungen und Beratungsgesprächen entscheiden wir, welche Operationsmethode für einen Patienten geeignet ist“, so Dr. Asbeck. Neben der Schlauchmagen-Operation, die er bei Anja Huber vorgenommen hat, führen die Ärzte Magenband-OPs durch, bei denen um den oberen Teil des Magens ein verstellbares Band gelegt wird, das eine sanduhrförmige Verengung schafft. Der kleinere obere Teil des Magens ist schon durch wenig Nahrung gefüllt, der Patient fühlt sich schneller satt und isst weniger. Bei der Magen-Bypass-Operation wird der Magen in eine kleine Magentasche und den größeren Restmagen geteilt, so dass der Patient nur noch geringe Nahrungsmengen zu sich nehmen kann. Zusätzlich wird dann der Dünndarm umgeleitet, so dass ein großer Teil der Nahrung unverdaut ausgeschieden wird. Dadurch nehmen die Patienten rapide ab.

 

„Die starke Gewichtsabnahme wirkt sich meist positiv auf den Gesundheitszustand der Patienten aus“, so die Erfahrung Asbecks. Zahlreiche Erkrankungen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Übergewicht stehen – wie zum Beispiel Diabetes mellitus Typ II oder Bluthochdruck – bessern sich oder verschwinden ganz. Damit der Operationserfolg erhalten bleibt, müssen die Patienten allerdings bereit sein, ihren Lebensstil und ihre Ernährung langfristig umzustellen. Zudem müssen die Patienten lebenslang zur Nachsorge kommen. Haben sie einen Schlauchmagen oder einen Magen-Bypass erhalten, dann brauchen zusätzlich regelmäßig Vitamin- und Mineralstoffpräparate, um einer Mangelernährung vorzubeugen.

 

Um für die Patienten vor und nach der Operation auch ambulant eine gute medizinische Versorgung sicherzustellen, haben Dr. Bauer und Dr. Asbeck in Neustadt ein Netzwerk aufgebaut. .So bestehen enge Kontakte zu Neurologen und Psychologen sowie zum örtlichen Zentrum für Diabetes und Hormonerkrankungen. Auch mit den Hausärzten arbeitet Asbeck eng zusammen.

 

Anja Huber ist glücklich, dass sie sich hat operieren lassen. Nach ihrer lebensbedrohlichen Erkrankung in Frühjahr sah sie in der Operation ihre einzige Chance auf ein gesünderes Leben ohne die überflüssigen Pfunde. „Meine Motivation sind meine Kinder“, betont sie. Anja Huber hat großes Vertrauen zu Dr. Asbeck. Sie würde sich „jederzeit wieder in seine Hände begeben“, gibt sie zu. Die Woche, die sie im Krankenhaus Hetzelstift verbringen musste, hat ihr richtig gut getan.

 

Selbsthilfegruppe für adipöse Menschen

In dieser Zeit hat sie Bianca Franzreb-Wenz kennengelernt. Die Krankenschwester, die zum Team des Adipositaszentrums gehört, und Cynthia Kelly, die Sekretärin von Dr. Bauer, haben eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit krankhaftem Übergewicht ins Leben gerufen, an der jetzt auch Anja Huber teilnimmt. Bianca Franzreb-Wenz wog vor zweieinhalb Jahren noch 215 Kilogramm. Nach einer Kur, in der sie lernte, ihr Leben und ihre Ernährung umzustellen, hat sie bis heute 65 Kilogramm abgenommen. Nach der Kur machte sie sieben Tage die Woche Sport. „Selbst mit hohem Übergewicht kann ich täglich Sport treiben“, berichtet sie aus eigener Erfahrung. Deshalb hat sie zusätzlich die Adipositas-Sportgruppe gegründet. Jeden Freitag geht sie mit den Teilnehmern in das Schwimmbad des Diakonissenmutterhauses in Lachen-Speyerdorf schwimmen.

 

Sie möchte den Betroffenen helfen, wieder Selbstbewusstsein zu entwickeln und ein gutes Selbstwertgefühl aufzubauen. Damit unterstützt sie auch Menschen wie Anja Huber, die sich freut, dass die Operation ihr Leben verändert hat. Das habe sogar ihre 13jährige Tochter bemerkt. „Sie ist völlig begeistert und sagt, sie hätte eine neue Mutti zurück bekommen“, strahlt Anja Huber.

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