Katharina hat ihren Traumberuf gefunden

Marienhausklinik St. Josef Kohlhof: Die 22-jährige Katharina unterstützt als Assistentin die Musiktherapeuten – ein Annäherungsversuch

Katharina spielt seit 12 Jahren Cello. FOTO: Anja Loudovici

22.10.2012

Neunkirchen-Kohlhof. Stolz läuft Katharina durchs Haus, schließt die Tür zum Raum zur Musiktherapie auf und bereitet alles für die nächste Therapiestunde mit der kleinen Lisa (Namen von der Redaktion geändert) vor. Sie legt eine Matte auf den Boden; deckt diese mit einer Decke ab, um es gemütlicher zu machen; und wählt einige kleine Percussioninstrumente aus, die Lisa gleich ausprobieren kann. Dann packt sie ihr Cello aus und ist bereit für das obligatorische Begrüßungslied, das Musiktherapeutin Barbara Fuchsberger-Wagner und sie jedem der kleinen Patienten vorspielen. Katharina ist 22, arbeitet seit einem guten Jahr als Assistentin in der Musiktherapie der Marienhausklinik St. Josef Kohlhof – und sie hat das Downsyndrom.

„Sie ist eine Mitarbeiterin wie jeder andere“, erklärt Thomas Gärtner. Der Kaufmännische Direktor hat Katharina als Praktikantin kennengelernt, „und schnell war klar, dass wir sie hier unbedingt brauchen“, erinnert er sich. „Denn Katharina kann wundervoll mit unseren kleinen Patienten umgehen“, fügt Fuchsberger-Wagner hinzu, mit der Katharina eng zusammenarbeitet. Ich habe die beiden einen Tag lang begleitet, und gleich in der ersten Therapiestunde bin ich beeindruckt, wie selbstverständlich Katharina diese mit gestaltet. Und so die Musiktherapeutin dabei unterstützt, dass die körperliche, seelische und geistige Gesundheit der Patienten zu fördern.

Musik war ihr schon immer wichtig

Katharina selbst wollte beruflich unbedingt etwas mit Musik machen. Bereits seit 12 Jahren spielt sie Cello, und das mit großem Erfolg. Auf dieses Instrument wurde sie durch den Sohn von Freunden ihrer Eltern aufmerksam. „Er hat auch Cello gespielt, und das hat mir gefallen“, erzählt sie. Ihre Eltern meinten, dass Blockflöte erstmal das bessere Instrument für sie wäre, aber Katharina hat sich durchgesetzt. Und seitdem begleitet sie das Cello und die Musik: An der Walldorfschule, die sie besucht hat, spielte Musik eine wichtige Rolle und sie war in einer Musikgruppe für junge geistig behinderte Menschen aktiv. Hier lernte sie auch Barbara Fuchsberger-Wagner kennen.

Vom Praktikum zum Arbeitsplatz

Nach der Schule absolvierte Katharina eine Berufsqualifizierung des Vereins „Miteinander leben lernen“. Dabei durchlief sie verschiedene Praktika. „Zum Beispiel in einem Restaurant und bei einer Versicherung“, erinnert sich Katharina, „aber das habe ich nicht so gemocht“. Fuchsberger-Wagner kam dann auf die Idee, in der Marienhausklinik St. Josef Kohlhof nach einem Praktikumsplatz für Katharina zu fragen. Sie selbst arbeitet dort auf Honorarbasis als Musiktherapeutin und kannte das Haus gut.

Katharina ist jemand ganz besonderes

Seit Oktober 2010 nun ist Katharina in der Musiktherapie tätig. Erst als Praktikantin und seit Oktober 2011 mit einer halben Stelle. Drei Tage in der Woche kommt sie mit ihrem Cello ins Haus. Wobei sie den Weg vom 25 Kilometer entfernten Riegelsberg allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt. Zu ihren Aufgaben gehört es, den Raum für die Musiktherapie herzurichten und wieder aufzuräumen. Und sie unterstützt Fuchsberger-Wagner während der Therapiestunden. „Ihre ruhige Art wirkt sehr ausgleichend auf unsere kleinen Patienten“, ist Fuchsberger-Wagner dankbar für die Unterstützung. „Die Kinder merken, dass Katharina jemand ganz besonderes ist“.

Vielfältige Aufgaben

Aber nicht nur in der Musiktherapie ist Katharina tätig. Sie möchte, dass Musik für alle da ist. Deswegen hat sie gemeinsam mit Barbara Fuchsberger-Wagner, Mitarbeitern aus der Seelsorger sowie vielen weiteren Mitarbeitern aus dem Haus Ideen entwickelt, wie sie die Musik auch in andere Bereiche der Marienhausklinik bringen können. So spielt sie einmal in der Woche zur Mittagszeit in der Kapelle. Mitarbeiter, Patienten, Angehörige und Besucher können dort für zehn Minuten vom Alltag abschalten. Außerdem gibt Katharina regelmäßig kleine Konzerte direkt am Krankenbett oder auf den Stationen. „Vor allem den älteren Patienten gefällt dieses Angebot“, weiß Fuchsberger-Wagner. Und natürlich begleitet Katharina auch besondere Anlässe musikalisch. So bietet sie zum Beispiel während der Fastenzeit täglich Fünf-Minuten-Konzerte an, spielt an Adventsnachmittagen oder im Rahmen von Willkommens- veranstaltungen.

Alles wird möglich gemacht

An dem Tag, als ich Katharina und Barbara Fuchsberger-Wagner, besucht habe, durfte ich auf einer Hochzeit dabei sein, die die beiden musikalisch begleiteten. „Das hatten wir auch noch nicht“, erzählt Fuchsberger-Wagner. Das Brautpaar hatte sich nur einen Tag zuvor entschlossen, kirchlich in der Krankenhauskapelle zu heiraten, da die schwerkranke Mutter der Braut im Krankenhaus bleiben musste und nicht an der standesamtlichen Trauung teilnehmen konnte. Katharina wirkte überhaupt nicht aufgeregt, obwohl sie nur einen Tag Zeit zum Proben hatte. „Ich habe schon mal auf einer Hochzeit gespielt“, berichtet sie. Die musikalische Atmosphäre, die die beiden an diesem Nachmittag zaubern, rührt alle Hochzeitsgäste an.

Katharina fühlt sich in der Marienhausklinik wohl: „Ich bin sehr glücklich“. Mit ihrer Arbeit hat sie ihren Traumberuf gefunden. Und da hat die junge Frau mit ihren 22 Jahren mehr geschafft, als viele andere ihrer Altersgenossen.

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