Ein Leuchtturmprojekt in Zeiten des demographischen Wandels

Das Katholische Klinikum Mainz setzt seit Mitte 2019 auf das Konzept Delirsensibles Krankenhaus

Der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Thomas Gebhart (2. von links) überreichte symbolisch die Delir-Präventionsbox an Oberärztin Dr. Andrea Küchle. Mit dabei Chefarzt Privatdozent Dr. Matthias David, Bernadette Rümmelin, Dr. Gerald Gaß, der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, und Privatdozent Dr. Marcus Egermann. Foto: Heribert Frieling

17.12.2019

Mainz. Die Menschen werden immer älter und damit wächst auch die Zahl der älteren Patienten, die sich im Krankenhaus einer Operation unterziehen müssen. Und gerade sie sind besonders gefährdet, im Zuge einer OP eine plötzliche und akut auftretende Verwirrtheit zu entwickeln. Ein solches Delir wenn eben möglich zu vermeiden, es möglichst frühzeitig zu diagnostizieren und zu therapieren, darauf zielt das Konzept Delirsensibles Krankenhaus ab, das seit Juli 2019 im Katholischen Klinikum Mainz (kkm) schrittweise eingeführt wird. Das kkm ist, das wurde bei der offiziellen Vorstellung des Projektes Anfang Dezember deutlich, eines der ersten Delirsensiblen Krankenhäuser in Deutschland. Es sei vorbildlich, was das kkm hier leiste, betonte denn auch Dr. Thomas Gebhart, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. Dieses Leuchtturmprojekt, so unterstrich auch Bernadette Rümmelin, die Geschäftsführerin des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschland, greife ein Gebot der Stunde auf und zeige, wie in einem katholischen Krankenhaus die ganzheitliche Sorge um den Patienten in die Praxis umgesetzt werde.

Das Konzept Delirsensibles Krankenhaus hat das Ziel, Patienten bestmöglich auf eine Operation vorzubereiten und frühzeitig die Behandlung eines Delirs einzuleiten sowie neu entstehende Gedächtnisstörungen zu vermeiden. So hat man ein Bündel von präventiven Maßnahmen geschnürt, um so die Delir-Quote nachhaltig zu reduzieren. Dazu gehören beispielsweise die Erfassung von möglichen Risikofaktoren im Vorgespräch zu einer Operation, die Überprüfung des Medikationsplans, die Besprechung der Ernährungssituation und die Schaffung einer möglichst gewohnten Umgebung im Patientenzimmer.

Am OP-Tag ist es ausdrücklich erwünscht, dass Angehörige Patienten bis zur OP-Schleuse begleiten, dass während der OP eine intensive Betreuung durch besonders geschultes OP-Personal erfolgt; dass Hilfsmittel (Brille, Hörgeräte, Zahnersatz) erst bei der Narkoseeinleitung abgegeben und in der sogenannten Präventions-Box aufbewahrt werden; dass ein angepasster Einsatz von ausgewählten Narkosemitteln und eine kontinuierliche Messung der Narkosetiefe ebenso erfolgt wie (soweit möglich) der Einsatz von Minimalinvasiven Operationsverfahren.

Nach der Operation erhalten die Patienten ihre Hilfsmittel direkt zurück, damit die Sinne angesprochen und stimuliert werden. Es erfolgt die Betreuung durch geschultes Personal während der Aufwachphase mit der Möglichkeit zur räumlich und zeitlichen Orientierung. Bereits hier können Angehörige wieder mit dabei sein. Auf der Station sind den Patienten feste Pflegekräfte und Ansprechpartner im Rahmen einer sogenannten Unit-Pflege-Struktur zugeordnet, die besonders geschult sind. Es erfolgt eine konsiliarische Mitbetreuung durch Geriater sowie eine frühe Einbindung der An- und Zugehörigen. Es gibt einen strukturierten Tagesablauf, regelmäßige Mahlzeiten und regelmäßige Therapie, frühe Mobilisation, Orientierungshilfen, feste Visitenzeiten und einen einheitlichen Tag-Nacht-Rhythmus mit angepassten Lichtverhältnissen.

Auch wenn das Delir in den allermeisten Fällen nicht von Dauer ist und sich der Zustand des Patienten oftmals innerhalb von Tagen bessert, sind die Maßnahmen zur Prävention, die das kkm ergriffen hat, mehr als sinnvoll. Denn die Auswirkungen eines Delirs auf den Heilerfolg sind gravierend. So steigt die Sterblichkeit an, verlängert sich die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus um bis zu zehn Tage, und auch das Behandlungsergebnis ist letztlich schlechter. Mehr noch: Bei rund 25 Prozent der Patienten bleibt eine kognitive Einschränkung bestehen und nicht selten entsteht eine Pflegebedürftigkeit nach dem stationären Aufenthalt.

Vor diesem Hintergrund hat das kkm dieses Thema in Angriff genommen und auf Initiative von Dr. Andrea Küchle, der Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin (Chefarzt: Privatdozent Dr. Matthias David) zusammen mit dem Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie (Chefarzt: Privatdozent Dr. Marcus Egermann) und der Klinik für Akutgeriatrie (Chefarzt: Dr. Lothar van den Abeelen) das Konzept des Delirsensiblen Krankenhauses am kkm entwickelt und einen Ansatz implementiert, wie man diesen Herausforderungen besser begegnen kann.

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