Mit der digitalen Patientenakte wird die Papierflut weitestgehend eingedämmt

Die Kliniken in Neustadt und Neuwied haben sich auf den Weg gemacht, die digitale Patientenakte einzuführen

Oberarzt Dr. Yann Asbeck mit seinem iPad mini, auf dem er alle relevanten Patientendaten einsehen kann. Foto: Heribert Frieling

15.08.2018

Neustadt/Neuwied. Nein, bei den Kolleginnen und Kollegen haben sie nicht groß Überzeugungsarbeit leisten müssen. Die Akzeptanz, ja Erleichterung unter den Mitarbeitern sei vielmehr groß, denn mit der digitalen Patientenakte „leiten wir eine Zeitenwende ein“, sagt Prof. Dr. Christof Schenkel-Häger. Der Ärztliche Direktor ist zusammen mit Pflegedirektor Oliver Schömann Projektleiter im Marienhaus Klinikum Bendorf-Neuwied-Waldbreitbach. Während hier der Auftakt zum Projekt im Februar 2018 stattfand, ist das Marienhaus Klinikum Hetzelstift in Neustadt an der Weinstraße schon ein knappes Jahr früher gestartet. Zwei Pilothäuser also, die sich auf den Weg gemacht haben, die digitale Patientenakte einzuführen. Wobei die Rollen klar verteilt sind: Die Neuwieder können und dürfen von Neustadt lernen und haben beispielsweise auch schon deren Pflegestandards übernommen.

Was die reine Pflegedokumentation angeht, so hatten sich beide Kliniken schon vor geraumer Zeit dazu entschieden, diese zu digitalisieren. Allerdings mit unterschiedlichen Systemen. Und während das System in Neustadt auf allen elf Stationen implementiert war, wie Pflegedirektor und Projektleiter Dirk Schmidt berichtet, wurde es in Neuwied nur teilweise eingesetzt.

Mit dem Krankenhausinformationssystem (KIS) iMedOne und der dazu gehörenden App iMedOne Mobile wird das nun grundlegend anders. Denn mit ihrem mobilen Gerät (in beiden Kliniken werden dafür iPad Minis verwendet) haben Ärzte und Pflegekräfte jederzeit Zugriff auf sämtliche Daten aus dem KIS. Dafür müssen natürlich für die Pflegekräfte und Ärzte zunächst einmal die entsprechenden Arbeitsplätze eingerichtet werden, im Haus flächendeckend WLAN-Empfang sein und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Pilotstationen mit iPad Minis ausgestattet werden. – Das allein ist schon eine größere Investition, schließlich werden in Neustadt im Endeffekt rund 250 und in Bendorf und Neuwied (Waldbreitbach bleibt bei dem Projekt außen vor, weil die Psychiatrie eine ganze andere Welt ist) 350 Stück benötigt. (Die iPad Minis schalten sich übrigens automatisch ab und werden damit wertlos, sollte jemand auf die Idee kommen, sie mit nach Hause nehmen zu wollen).

Mit der digitalen Patientenakte wird die Papierflut im Krankenhaus weitestgehend eingedämmt. Ärzte wie Pflegepersonal können direkt am Krankenbett sämtliche Befunde, Arztbriefe oder Diagnosen einsehen, Vitalwerte kontrollieren, den Behandlungsverlauf einsehen oder sämtliche pflegerische Maßnahmen nachvollziehen. Und es sind wirklich alle Informationen an einem Platz zu finden, denn Ärzte, Pflegende und Therapeuten dokumentieren ihr Tun in ein und demselben Journal, und das einheitlich. Und direkt am Krankenbett kann man Informationen, neue Behandlungsschritte oder die Gabe von Medikamenten in das Gerät eintippen und damit direkt in das System einpflegen. Doppeltes Dokumentieren (im PC und auf Papier) und die damit verbundene Gefahr des Informationsverlustes (die Fachleute sprechen von Medienbrüchen) sollen auf Dauer der Vergangenheit angehören.

Die mobile digitale Patientendokumentation bietet weitere handfeste Vorteile, wie Sonja Wittner erklärt. Die Mitarbeiterin der Stabsstelle Pflegedirektion in Neustadt macht dies an zwei Beispielen deutlich: Mit dem iPad kann man schnell und problemlos Fotos beispielsweise von Wunden machen und direkt speichern. (Fotos zu schießen, sie herunterzuladen und dann passend hochzuladen und zu speichern, ist derzeit eine mühselige Angelegenheit). Und weil man mit dem iPad auch online auf das PACS-System zugreifen kann, kann der Arzt direkt am Krankenbett mit dem Patienten Röntgenbilder besprechen. – Dadurch gewinnt beispielsweise die Visite eine neue Qualität.

Für Christof Schenkel-Häger gibt es noch einen weiteren entscheidenden Punkt, der für die Digitalisierung spricht. Das ist das Thema Medikamentensicherheit; denn iMedOne bietet einen Sicherheitscheck für die Arzneimitteltherapie an. Das heißt konkret: Verordnet der Arzt ein neues Medikament, überprüft das System automatisch, ob das Präparat mit den Wirkstoffen vereinbar ist, die dem Patienten bereits verabreicht werden. Drohen Wechselwirkungen, erfolgt umgehend eine Warnmeldung und der Arzt kann ein anderes Medikament auswählen. In Zeiten, wo immer mehr ältere und multimorbide Patienten behandelt werden, die oftmals eine Vielzahl von unterschiedlichen Medikamenten einnehmen, ist dies ein unschätzbarer Vorteil.

Bis es so weit ist und die digitale Patientenakte in Neustadt sowie Neuwied und Bendorf eingeführt sein wird, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Aber in beiden Kliniken sind Arbeitsgruppen (in Neustadt heißt sie Steuergruppe) am Werk, deren Mitglieder motiviert und engagiert das Projekt vorantreiben und das System maßgeschneidert auf die Bedürfnisse und Wünsche des Hauses ausrichten wollen. Dabei mit im Boot sind auch die Mitarbeiter der M-IT aus dem Bereich Medizinisch-Pflegerische-Informationssysteme, die Dirk Schmidt in Neustadt in den höchsten Tönen lobt.

Wie ist es um die Sicherheit bestellt? Was passiert, wenn das System einmal ausfällt? Zum einen wird der Server gedoppelt, zum anderen werden sämtliche Patientendaten alle 15 Minuten gespeichert und archiviert. Auf sie kann man dann von dem PC in jeder Organisationseinheit aus zugreifen, der an die Notstromversorgung angeschlossen ist. Nach menschlichem Ermessen ist das System also vor Ausfällen gefeit.

Von der Einführung der digitalen Patientenakte versprechen sich die Verantwortlichen in Neustadt und Neuwied und letztlich in der gesamten Trägerschaft auch, „dass wir als Arbeitgeber attraktiver werden“, bringt es Dirk Schmidt auf den Punkt. Dadurch nämlich, dass Prozesse und Abläufe gestrafft werden, „gewinnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Zeit – Zeit, die sie für ihre Arbeit am Patienten einsetzen können“, fasst es Oliver Schömann zusammen.

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