Sie spürt hier, dass sie mit Ihren Sorgen nicht allein ist

Die Tagespflege im Marienhaus Altenzentrum St. Josef bietet Angehörigen dementiell veränderter Menschen Unterstützung durch einen regelmäßigen Gesprächskreis

Zum Gesprächskreis für Angehörige dementiell veränderter Menschen waren Anfang August nur Werner Schneider (links) und Jutta Oppermann (rechts) da. Nicht immer finden die Angehörigen die Zeit, weiß Pia Pfeifer-Irle, die Leiterin der Tagespflege aus Erfahrung. Foto: Anja Loudovici

04.09.2017

 

Betzdorf (al). Es war eine kleine Runde, die sich Anfang August in der Westerwaldstube der Tagespflege Sonnenblume im Marienhaus Altenzentrum St. Josef Betzdorf traf. Die Tagespflege kümmert sich um dementiell veränderte Menschen und bietet jeden 2. Mittwoch im Monat einen Gesprächskreis für Angehörige an. Dieses Mal sind nur Werner Schneider und Jutta Oppermann gekommen. „Die Angehörigen haben mit der Betreuung und Pflege ihrer Angehörigen oftmals viel um die Ohren, da bleibt nicht immer Zeit, den Gesprächskreis wahrzunehmen“, weiß Pia Pfeifer-Irle aus Erfahrung. Sie leitet die Tagespflege und betreut den Gesprächskreis seit vielen Jahren. In der Regel kennt sie Angehörige und das dementiell veränderte Familienmitglied, da die meisten Gäste in der Tagespflege sind oder waren. „Das ist aber keine Voraussetzung, um zu unserem Gesprächskreis zu kommen“, betont Pfeifer-Irle. Willkommen ist jeder, der Rat und Hilfe sucht, der sich austauschen möchte oder einfach nur mal reden und rauskommen möchte.

„Mir geht es hinterher wieder gut“, erzählt Jutta Oppermann, warum sie gern in den Gesprächskreis geht. Sie spürt hier, dass sie mit Ihren Sorgen und Nöten nicht allein ist, dass es ihr geht, wie vielen, die einen dementen Angehörigen versorgen. Die 54-Jährige kümmert sich um ihre Mutter. Auch sie besuchte die Tagespflege Sonnenblume. Mittlerweile ist sie durch einen Sturz bettlägerig und wird zu Hause gepflegt. Dafür hat Jutta Oppermann sogar ihren Job aufgegeben, „denn die Pflege an sich ist mehr als eine Vollzeitstelle“, berichtet sie. Heute erzählt sie im Gesprächskreis, dass ihre Mutter zur Zeit tote Männer sieht. Beteuerungen, dass niemand da ist, helfen ihr nicht. Pia Pfeifer-Irle rät ihr, auf die Gefühle ihrer Mutter einzugehen. „Nicht bestätigen, aber auch nicht verneinen. Dementiell veränderte Menschen reagieren verunsichert, wenn sie merken, dass man ihnen nicht glaubt“, erläutert Pfeifer-Irle.

Diese Erfahrung hat auch Werner Schneider gemacht. Der 78-Jährige betreut seine Frau. Mittlerweile wohnt sie in einem Pflegeheim. Zu Beginn ihrer Demenz besuchte auch sie die Tagespflege im Marienhaus Altenzentrum. „Meine Frau lebt in ihrer eigenen Welt, die ich immer weniger verstehe“, gibt er zu. Viele Dinge, die er mit seiner Frau im Alltag erlebt, stoßen bei Außenstehenden auf Unverständnis. Deswegen tut ihm der Austausch im Gesprächskreis gut.

Aber nicht nur Tipps im Umgang mit dementiell veränderten Menschen werden hier besprochen. Es geht auch um ganz praktische Dinge, wie Anträge bei den Krankenkassen oder anderen Kostenträgern, welche Hilfsmittel oder welche Unterstützung es gibt und wie man diese bekommt. Jutta Oppermann und Werner Schneider berichten von einer weiteren Dame, die heute nicht da ist, aber sonst immer kommt. Sie kümmert sich um ihre Eltern, die beide pflegebedürftig sind. Ihr Vater hatte einen Schlaganfall und ihre Mutter leidet unter Demenz. „Sie hat viel Erfahrung mit dem Dschungel von Anträgen und Co“, erzählt Werner Schneider. „Und dennoch verliert sie ihren Optimismus nicht“, fügt Oppermann hinzu.

Aber auch wenn das Thema im Gesprächskreis in der Regel in alle Facetten beleuchtet wird, so spielt die Demenz manchmal in den Gesprächen gar keine Rolle und die Teilnehmer teilen mittlerweile auch andere Dinge, freut sich Jutta Oppermann. „Schöne und nicht so schöne“, fügt Werner Schneider hinzu. Als sein Sohn starb, fand er in der Gruppe Trost. „Und wenn ich merke, dass andere ein Lachen brauchen, mache ich meine Scherze“, sagt er lachend und erzählt prompt einen Witz.

 

Hier gelangen Sie auf die Homepage vom Marienhaus Altenzentrum St. Josef Betzdorf.

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