Aus Josephine Koch wird Mutter Elisabeth von Jesu

Oder: Über die Gründerin der Gemeinschaft der Franziskanerinnen von der Hl. Familie 

Anna Maria Josephine Katharina Koch erblickt am 21. Januar 1815 in Aachen das Licht der Welt. Als Kind verbringt sie vier Jahre im Pensionat der Rekollektinnen auf dem Heidberg in Eupen. Nach Abschluss der Schule arbeitet sie drei Jahre lang in einem Weißwarengeschäft in Verviers und kehrt dann nach Aachen zurück, wo sie im elterlichen Haushalt hilft und die Großmutter pflegt. 1837 tritt Josephine Koch als Postulantin in das Kloster der Rekollektinnen in Eupen ein, erhält 1838 das Ordenskleid und den Schwesternnamen Philomena. 

1841 sucht die Stadt Eupen einen Kranken pflegenden Orden für das örtliche St. Nikolaus-Hospital zu gewinnen. Erst nachdem man zwei andere Gemeinschaften vergeblich angefragt hat, wendet man sich an die Rekollektinnen auf dem Heidberg. 1842 bestimmt die erzbischöfliche Behörde in Köln, dass die Rekollektinnen die Pflege der Kranken im Eupener Spital übernehmen sollten, und entpflichtet zwei Schwestern von der Klausur. Eine von ihnen ist Schwester Philomena. Aufgrund ihrer großen Fähigkeiten wird sie auch mit der Leitung des Hauses betraut. Nach einigen Monaten kehrt ihre Mitschwester ins Kloster zurück, Schwester Philomena aber bleibt bei den Kranken und leistet zusammen mit ihren Helferinnen segensreiche Arbeit; auch in der ambulanten Krankenpflege. 

In den Folgejahren kommt es zu Zwistigkeiten. Während die Stadt Eupen die Leitung des kleinen Hospitals mit dreißig Betten bei Schwester Philomena in guten Händen weiß, will der neue Stadtpfarrer Pauls durchsetzen, dass – wie es in den Statuten von 1843 festgehalten ist – Barmherzige Schwestern das Hospital lenken und leiten. 

Auf sein Betreiben hin fordern die Ordensoberen Schwester Philomena gegen Ende des Jahres 1849 auf, auf den Heidberg zurückzukehren. Dieser Aufforderung widersetzt sie sich ebenso bescheiden wie entschieden mit dem Hinweis, dass sie der Gemeinschaft gar nicht mehr angehöre, weil sie ihre zeitlichen Gelübde seit 1844 nicht mehr erneuert habe. In vollem Einverständnis mit dem Generalvikariat in Köln macht sie von ihrer Freiheit Gebrauch und wirkte im St. Nikolaus-Hospital als einfaches Mitglied des Dritten Ordens vom hl. Franziskus. 1849 gliedert Josephine Koch dem Hospital ein Haus für Geisteskranke an. 

Um Josephine Koch bildet sich mit der Zeit ein Kreis weltlicher Pflegerinnen, die gerne mit ihr in (Ordens)-Gemeinschaft leben wollen. Schon aus den Jahren vor 1849 sind Fragmente zu einer Regel oder Ordnung für ein Leben in Gemeinschaft. 

Am 20. Mai 1856 bittet Josephine Koch im Mutterhaus der Armen Schwestern vom hl. Franziskus in Aachen um Aufnahme. Franziska Schervier, die diese Gemeinschaft 1845 gegründet hatte, fürchtet Schwierigkeiten bei der Integration der Eupener Gruppe und rät Josephine Koch zur Gründung einer neuen Gemeinschaft. Auf ihre Empfehlung hin wendet sich Josephine Koch an Johann-Theodor Laurent, den Titularbischof von Chersones und damaligen Apostolischen Vikar von Luxemburg. Er hat nämlich bereits den Schwestern vom armen Kinde Jesus und den Armen Schwestern vom hl. Franziskus bei der Ausarbeitung ihrer Konstitutionen und bei der Gestaltung der Genossenschaft geholfen.  

Der Bischof rät Josephine Koch zur Gründung einer eigenen Kongregation und entwirft auch die ersten Statuten. Sie aber schreckt vor dieser hohen Aufgabe zurück. – Da gibt Dechant Pauls in Eupen seine Vorbehalte auf, leitet das Statut der Gemeinschaft an den Erzbischof von Köln weiter und schreibt diesem, die „Führung des Spitals durch die ehemalige Rekollektin Katharina Josephine Koch im Verein mit neun Jungfrauen hat sich so glänzend erprobt, dass es eine praktische Unmöglichkeit sein würde, die Koch nebst ihrer obigen Umgebung von der Leitung des Spitals entfernen zu wollen. Der einzig mögliche Weg zum Ziele zu kommen sei demnach, dass diese Jungfrauen als eine geistliche Genossenschaft gemäß dem hier anliegenden Statut kirchlich anerkannt würden.“ 

Das Statut nennt als Arbeitsbereiche der Schwestern die stationäre und ambulante Pflege Kranker und Geisteskranker, die Armenpflege, die Leitung von Armenküchen, Kindergärten und Arbeitsschulen. – Am 5. Dezember 1856 genehmigt der Erzbischof von Köln die Statuten, verlangt aber, dass vorab ein Haus beschafft werden müsse, das als Mutterhaus dienen könne. Ganz in der Nähe des Hospitals findet sich ein entsprechendes Objekt. 

Am 13. Juni 1857 erfolgt die Bestätigung der neuen Ordensgemeinschaft, der Schwesternschaft der Franziskanerinnen von der Heiligen Familie, und am 22. Juli findet die feierliche Einkleidung statt. Die Kongregation zählt zehn Ordensfrauen. Schon am 4. November 1857 wird eine Filiale in Monschau übernommen. Hier werden Kranke und Gebrechliche gepflegt und verwaiste und verwahrloste Mädchen erzogen und unterhalten. 

Mutter Elisabeth von Jesu, so war der neue Ordensname von Josephine Koch, führt am Gründonnerstag (21. April) 1859 im Mutterhaus die Ewige Anbetung ein, um, wie sie selbst sagt, die ständige Verbindung der Genossenschaft mit dem eucharistischen Heiland, der lebendigen Quelle des Heils und des Segens, herzustellen. Auf Anregung von Franziska Schervier und ihres geistlichen Beraters, Rektor Blanchard, erbittet Mutter Elisabeth bei der erzbischöflichen Behörde in Köln die Erlaubnis zur Errichtung einer klausurierten Abteilung, welche sie am 28. Juni 1860 für neun Schwestern im Mutterhaus einrichten darf. 

Über einen Mangel an Aufgaben kann die junge Genossenschaft der Franziskanerinnen von der Heiligen Familie nicht klagen. Auch auf den Schlachtfeldern der Kriege von 1866 und 1870/71 arbeiten die Schwestern in der Krankenpflege, sehr zur Freude der preußischen Königin Augusta. 

Die Zahl der Schwestern und der von ihnen geführten Häuser wächst ständig. Als Mutter Elisabeth von Jesu, die Gründerin der Kongregation, am 3. April (Ostersonntag) 1899 nach langer Krankheit stirbt, verfügt die Gemeinschaft über 17 Niederlassungen.

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